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Gebietsfremde Arten

Schutz unserer Seen vor der Quaggamuschel

Unsere Seen und Flüsse sind wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Mit zunehmender Nutzung der Gewässer steigt jedoch das Risiko, dass sich invasive Arten ausbreiten. Eine besonders problematische Art ist die sogenannte Quaggamuschel.

In den Gewässern des Landkreises wurde die Quaggamuschel bislang noch nicht festgestellt. Damit das so bleibt, sind wir auf die Unterstützung aller Wassersportlerinnen und -sportler angewiesen:

Insbesondere beim Wassersport – etwa mit SUPs, Kajaks, Luftmatratzen, Wasserspielzeug oder über Angel- und Tauchausrüstung – können unbemerkt kleine Muscheln oder Larven von einem Gewässer in das nächste gelangen. Die Larven sind mit bloßem Auge kaum sichtbar und können mehrere Tage in Restwasser oder feuchter Ausrüstung überleben. Bereits wenige Tropfen Restwasser können für eine Übertragung in ein anderes Gewässer ausreichen.

Jede und jeder kann dazu beitragen, unsere heimischen Gewässer zu schützen.

Wie kann ich helfen, eine Ausbreitung zu verhindern?

Die wichtigste Regel lautet: REINIGEN & TROCKNEN

Nach jedem Gewässerbesuch:

  • Ausrüstung gründlich kontrollieren und reinigen
  • Pflanzenreste, Schlamm und Ablagerungen entfernen
  • Sichtbare Muscheln vollständig beseitigen
  • Restwasser vollständig ablassen (auch aus den Rohren der Paddel)

Vor dem nächsten Gewässer:

  • Ausrüstung vollständig trocknen lassen (wenn möglich mehrere Tage)

Zur Ausrüstung gehören insbesondere:

  • SUPs, Kajaks, Kanus, Schlauchboote, Segel, Paddel
  • Luftmatratzen, Wasserspielzeug
  • Neoprenanzüge, Bikini, Badehose, Schwimmwesten, Schuhe
  • Angel- und Tauchausrüstung, Trailer

Besonders wirksam ist eine Reinigung mit heißem Wasser (60° C) und Hochdruckreiniger.

Was ist die Quaggamuschel?

Die Quaggamuschel (Dreissena rostriformis bugensis) ist eine kleine Süßwassermuschel, die ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum stammt. Sie breitet sich seit einigen Jahren zunehmend in bayerischen Seen und Flüssen aus. Sie kann sich sehr schnell vermehren und einen ganzen See innerhalb weniger Jahre vollständig besiedeln.

Dadurch verändert sie natürliche Lebensräume und beeinflusst das ökologische Gleichgewicht eines Gewässers erheblich. Gleichzeitig verursacht sie hohe Kosten durch Schäden an Anlagen und bei der Fischerei.

Hat sich die Art einmal dauerhaft etabliert, lässt sie sich kaum noch entfernen. Deshalb hat die Vermeidung einer Einschleppung höchste Priorität.

Quagga Muschel Bayerisches Landesamt für Umwelt, Bildautor Benedikt Beck

Foto: Quagga Muschel, Bayerisches Landesamt für Umwelt, Bildautor Benedikt Beck

Wurde die Quaggamuschel bereits im Landkreis nachgewiesen?

Nach aktuellem Kenntnisstand (Mai 2026) wurde die Quaggamuschel in den Gewässern des Landkreises bislang nicht nachgewiesen. Das Landratsamt beobachtet die Entwicklung aufmerksam. Ziel ist es, eine Einschleppung frühzeitig zu verhindern bzw. zu verlangsamen und die heimischen Seen langfristig zu schützen.

Warum breitet sich die Quaggamuschel so schnell aus?

Die Quaggamuschel vermehrt sich äußerst schnell: Ein einziges Weibchen kann bis zu eine Million Eier pro Jahr produzieren. Zudem erfolgt die Fortpflanzung nahezu ganzjährig, wodurch große Mengen frei im Wasser treibender Larven entstehen.

Vor allem beim Transport von Booten, SUPs, Angel- oder feuchter Wassersportausrüstung zwischen verschiedenen Gewässern besteht ein hohes Risiko der unbeabsichtigten Verbreitung von Larven und Muscheln.

Welche Probleme verursacht die Quaggamuschel in Seen?

Veränderung des Ökosystems
Quaggamuscheln filtern große Mengen an Plankton aus dem Wasser. Dadurch fehlt vielen heimischen Tierarten eine wichtige Nahrungsgrundlage. Einige Arten nehmen ab, während andere profitieren und oder sich stärker ausbreiten können. Dies kann das ökologische Gleichgewicht dauerhaft verändern und die Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenwelt im Gewässer beeinflussen.

Beeinträchtigung oder Verdrängung heimischer Arten
Die Muscheln besiedeln Oberflächen in großer Dichte und verdrängen dabei einheimische Muschel- und Kleintierarten.

Veränderung der Wasserqualität
Durch die starke Filtrationsleistung der Quaggamuschel wird das Wasser häufig klarer. Dies wirkt zunächst positiv, verändert jedoch die natürlichen Bedingungen im See: Mehr Licht dringt in tiefere Wasserschichten vor und kann das Wachstum von Wasserpflanzen und Algen fördern. Dadurch kann das ökologische Gleichgewicht des Gewässers beeinträchtigt werden.

Technische und wirtschaftliche Schäden
Quaggamuscheln besiedeln Stege, Fischereiausrüstung, Boote und technische Einrichtungen zu. Dadurch entstehen hohe Kosten für Reinigung und Wartung.

Beeinträchtigung der Freizeitnutzung
Die scharfkantigen Muschelschalen sammeln sich häufig am Ufer an. Dadurch steigt das Verletzungsrisiko für Badegäste.

Warum ist Prävention so wichtig?

Ist die Quaggamuschel einmal in einem Gewässer angekommen, breitet sie sich meist dauerhaft aus. Eine vollständige Entfernung ist nach aktuellem Stand praktisch nicht möglich. Deshalb ist es entscheidend, eine Einschleppung frühzeitig zu verhindern. Schon einfache Vorsichtsmaßnahmen können dabei helfen.

Darf ich weiterhin mit dem SUP, Kajak oder Kanu auf die Seen?

Ja. Die Freizeitnutzung der Gewässer bleibt weiterhin möglich.

Das Landratsamt bittet jedoch alle Nutzerinnen und Nutzer um besondere Sorgfalt und um die Einhaltung der empfohlenen Hygienemaßnahmen beim Wechsel zwischen verschiedenen Gewässern.

Bereits geringe Mengen Restwasser oder feuchte Ausrüstung können zur Verbreitung invasiver Arten beitragen. Wer mehrere Seen nutzt, trägt daher eine besondere Verantwortung zum Schutz unserer Gewässer

Warum reichen schon kleine Wassermengen aus?

Die frei schwimmenden Larven der Quaggamuschel sind mikroskopisch klein und können in sehr geringen Wassermengen überleben. Schon feuchte Oberflächen oder kleine Restwasseransammlungen an Ausrüstung können ausreichen, um sie in ein anderes Gewässer zu übertragen. Dadurch besteht ein hohes Risiko der unbeabsichtigten Weiterverbreitung.

Können Tiere die Muschel ebenfalls verbreiten?

Eine natürliche Verbreitung über Wasservögel ist grundsätzlich möglich – etwa durch den Transport von Larven oder kleinen Muscheln im Gefieder oder Verdauungstrakt. Nach aktuellem Kenntnisstand spielt dieser Verbreitungsweg jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

Deutlich schneller und häufiger erfolgt die Ausbreitung durch den Menschen, vor allem beim Transport von Ausrüstung zwischen verschiedenen Gewässern.

Warum sollte ich Aufwand betreiben, wenn die Muschel vielleicht ohnehin irgendwann kommt?

Jede verhinderte Einschleppung schützt die Gewässer – auch wenn es nur für einige Jahre ist.
Je länger ein Gewässer frei von der Quaggamuschel bleibt bzw. je langsamer eine Ausbreitung erfolgt:

  • desto besser können heimische Arten geschützt werden,
  • desto länger bleiben Freizeitgewässer in gutem Zustand,
  • desto mehr Zeit bleibt für Schutzmaßnahmen und Forschung,
  • desto weniger Genotypen können entstehen, die dann evtl. resistenter gegen Parasiten oder Krankheiten sind,
  • desto geringer bleiben Folgekosten.

Gemeinsam unsere Gewässer schützen

Der Schutz unserer Seen gelingt nur gemeinsam. Bereits kleine Maßnahmen wie Reinigen und vollständig trocknen können einen wichtigen Beitrag leisten, um eine Einschleppung invasiver Arten zu verhindern.

Das Landratsamt bedankt sich bei allen Bürgerinnen und Bürgern für ihre Unterstützung und ihren verantwortungsvollen Umgang mit den Gewässern im Landkreis.

Ansprechpartner

E-Mail: Gebietsbetreuung-Nord@lra-gap.de
Tel.: 08821 751-417

Weiterführende Informationen und Links

Abendschau-Beitrag: „Staffelsee: Keine Chance der Quagga-Muschel"

Quaggamuschel: Monitoringkonzept des schweizer Umwelt-Bunddesamt zu Präventions- und Schutzmassnahmen

Informationen über die Ansiedelung der Quaggamuschel im Chiemgau

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